Schreib dein Buch! Leichter gesagt als geschrieben

„Schreib dein Buch!“ war vor ein paar Jahren die Aussage unzähliger Poster im Rahmen einer Werbekampagne an jeder Ecke und jeder Haltestelle in Berlin.
Eine junge sehr glückliche Dame mit einem Buch auf dem Kopf und ein Link zu einer Autorenschule waren drauf. Die Aufmerksamkeit haben die Plakate jedenfalls geweckt, ich selbst wurde dazu von ein paar Bekannten angesprochen, ob ich es gesehen habe. 

Tasse mit der Aufschricht Begin. Ich stelle mich und mein Bezug zum Schreiben vor.

Schreib dein Buch! Schreib dein Buch! Schreib dein Buch! Das konnte man nicht übersehen. 

Ich habe mich nur jedes Mal drei Sachen gefragt:

Möchten das denn so viele?!

Sollten das denn so viele? 

und

Ist es denn so einfach?! 

Ok, Butter bei die Fische (ich liebe deutsche Redewendungen!), seitdem ich 16 bin, befinde ich mich entweder in der Phase, dass ich ein Buch schreiben möchte oder schreibe ich gerade an einem. Daher könnt ihr euch zu diesem Zeitpunkt den letzten Satz aus meinem Mund in einem anderen Ton vorstellen- etwas sarkastischer bis leicht zickig, mit einem veränderten Satzbau eventuell und auf jeden Fall in Großbuchstaben –
                     ALS OB ES SO EINFACH WÄRE!!! 

Joa… und sonst ist sie die Ruhe selbst. Nicht. Aber… es gab Zeiten, da habe ich es gehasst, Schreiben zu MÜSSEN. Ganz bestimmt waren die Ideen da, vielleicht sind mir sogar ganze Sätze eingefallen, höchstwahrscheinlich standen ein paar Deadlines fest. Und ich habe mich gewehrt, selbst eine Einkaufsliste konnte ich nicht schreiben.

Ich kann mich an Zeiten erinnern, da habe ich mit solcher Leichtigkeit geschrieben… Hach. Selbst die Erinnerung bringt mich zum Schweben. Ich bin in der Nacht aufgewacht und wenn ich nicht gerade gleich Licht angemacht und losgeschrieben habe, habe ich mir zumindest im Dunkeln die geträumten Sätze auf ersten Zettel notiert, den ich gefunden habe. Mal kam mir da eine Zeitschrift gelegen, mal ein Arbeitspapier, das ich am nächsten Tag in der Schule abgeben sollte. Irgendwann hatte ich ein Notizbuch am Bett liegen und eins in der Tasche für die Ideen, die mir unterwegs in den Sinn kamen. Bei Busfahrten sind mir Verse für meine Gedichte eingefallen oder musste ich dringend im Unterricht die plötzlichen Figurencharakteristiken inklusive einer Skizze auf die letzte Seite der Arbeitshefte kritzeln. Aus ein paar Sätzen wurden schnell Absätze und wenn ich den ersten Satz hatte, der die Geschichte eröffnen sollte oder den letzten, der so gut klang, dass es schade wäre, diese nicht auszuerzählen, so war schnell die Geschichte fertig. 

Das war meine Passion, die schönen Sätze finden und auffangen, diese in die Welt tragen. So musste ich mich natürlich trauen, meine Texte aus der Hand zu geben und in Austausch zu kommen. In manchen Monaten (es ist wahrscheinlich so eine saisonale Sache) bin fast jede Woche zu irgendwelchem Kurzgeschichten-Wettbewerb hingefahren, habe vieles über Schreiben aufschnappen können, ein paar überraschende Sachen selbst über meine eigenen Texte gelernt und viele (meistens aber schon oft die gleichen :-p) Leute kennengelernt, die meine Leidenschaft geteilt haben. 

Das hat sich alles so schön angefühlt… vielleicht gerade deshalb war dann die Enttäuschung umso größer, als ich plötzlich nicht mehr wusste, was ich schreiben soll, wie ich reinkomme, wie ich die leere Word-Datei fülle. Ich habe manche Texte für alle möglichen Sachen wiederverwendet, aus einer Kurzgeschichte ein Hörspiel gemacht, aus einem Gedicht einen Fotofilm, aus einer Romanvorlage ein Drehbuchentwurf und x weitere verschiedene Kombinationen darunter.

Ich habe das Gefühl gehabt, ich muss mich zwingen Ideen auf Knopfdruck zu produzieren, habe die alten Texte umgeschrieben, um sie auf das eine oder andere Format anzupassen und dabei vergessen, worum es mir bei den Geschichten eigentlich ging. Ich habe von einer zu anderen Deadline geschrieben und dazwischen über alle die Projekte erzählt, die ich dann mache, wenn ich wieder “frei” habe, heißt aber irgendwie auch “frei bin”. 

Und das war so absurd, da ich ja gerne bei den anderen mitgeschrieben habe, bei den Projekten dabei war und es als große Chance gesehen habe, mit vielen kreativen Menschen zu arbeiten, voneinander lernen. Weil ich mich selbst für mein Studium entschieden habe und außerdem auch so so dankbar war, dass ich sowas tolles wie Schreiben studieren darf und aus der großen Bewerberflut ausgesucht wurde.

Was habe ich dann gemacht? Ich habe Abstand genommen. So einen, dass ich manche Texte völlig vergessen habe. So einen, dass ich kaum glauben kann, dass ich sie geschrieben habe. Dass ich sie nüchtern betrachten kann. Dass ich sie sehr gut finden kann, aber auch, dass ich trotz Verbesserungspotential, das ich sehe, keinen Drang verspüre, diese zu überarbeiten und irgendwo „unterzubringen“. Das ist sehr befreiend und so kann ich mich voller Euphorie in neue Projekte stürzen. 

Wie ich nun aber die drei Fragen von da oben beantworten möchte. Buch schreiben- als Hobby oder als Profi…

Möchten das denn so viele?

Keine Ahnung! Ich möchte aber hoffen, dass es in meinem Umfeld (offline oder online) viele solche Menschen gibt und geben wird, mit denen man sich austauschen kann, die sich gegenseitig inspirieren und motivieren. Das möchte ich hier herausfinden.

Sollten das so viele tun?

Unbedingt! Also, nicht, dass ich denke, dass jeder dringend auch ein Autor oder eine Autorin sein sollte, mit der Ambition ein eigenes Buch rauszubringen, ich bin aber von den Vorteilen überzeugt, die das Schreiben bietet und davon, dass jeder seine Themen hat, die raus sollten und die die anderen bereichern könnten oder die Geschichte, die auch wenn nur für sich selbst erzählt werden sollte. Ich bin auch ein sehr neugieriger Mensch. 

Ist das denn so einfach?!

Geht so. Durch mein Studium (und durch meine Schreibblockaden höchstwahrscheinlich noch viel mehr) habe ich mich mit vielen Techniken beschäftigt, die in das Schreiben von Ideenfindung durch Charakterentwicklung bis zum Endschliff eintauchen lassen, die über die Schreibblockaden helfen und das Schreiben voranbringen, die man erlernen und ausprobieren kann, würde aber auch viel lieber die individuelle Herangehensweise befürworten, in der man sich an eigene Stärken und Schwächen besinnt und…

…vor allem dran bleibt! Das werde ich nun auch tun! Bin ja nur so ungefähr bei Motivationsstufe 100! Wer noch?

 

♥ Photo by Danielle MacInnes (unsplush.com)