Schreiben als Hobby- Wo finde ich das Durchhaltevermögen?

Hände einer Autorin am Laptop

Also, ehrlich, ich hoffe du lachst, wenn du das hier liest… weil Lachen wichtig ist und weil man schon anhand der Zeitspanne zwischen dem vorherigen und diesem Blogbeitrag sieht, dass hier die Expertin spricht. Ehm… nicht.

Ich habe diesen Text mehrmals angefangen und nicht fortgesetzt. Ich habe mir Liste mit Ratschlägen gemacht, wie man meiner Meinung nach Schreibblockaden überwindet, am Ball bleibt, in die Puschen kommt (um tolle deutsche Redewendungen nicht außer Acht zu lassen (ou, noch eine :D)). Ich habe mir einen tollen Slogan ausgedacht: Schreibblockade… Ade! aber irgendwie war das doch nicht das Wahre. Manchmal denke ich, ich könnte am meisten ein Rezept gegen Prokrastination gebrauchen, wem möchte ich was erzählen?!

Na ja, ich habe auch mal helle Momente, wo es einfach gut läuft, mir die übermotivierte Muse auf meiner Schulter ganze Absätze ins Ohr flüstert und das Schweinehund leise in der aufgeräumten Ecke schnarcht. Ich habe die Ärmel voll von Organisationstipps, Produktivität-Hacks und Motivationsübungen und manchmal klappt es tatsächlich sehr gut. Da gibt es allerdings zwei Fälle: a) weil es muss und b) weil, es gar nicht muss, sondern es um ein Ablenkmanöver für die Option a) steht (wenn die Wäsche bereits einsortiert und Abstellkammer aufgeräumt wurde :))

Nenn es, wie du möchtest, um das Warum kommst du aber nicht rum

Wenn du das Wort Mindset nicht mehr hören kannst und dir die Suche nach dem Warum schon in allen Lebensbereichen empfohlen wurde, nenne es anders, notwendig wird es aber auch hier. Ich habe nämlich schon sehr oft probiert meine wellenartigen Motivations- und Demotivationsphasen auf eine stabile Linie zu bringen- DIE ultimative Schreibroutine zu finden, aber irgendwie scheitere ich immer aufs Neue. Immerhin verfalle ich nicht mehr in Schockstarre bzw. hinter die Blockademauer, hinter der mich gerade diese angestauten Deadlines früheren Jahre zurückgelassen haben. Vielleicht habe ich gerade aus diesem Grund verzweifelt versucht, mich darauf zu besinnen, was den Gegenteil bewirken könnte. Und das ist hier meine Zusammenstellung der Dinge, die mich immer wieder an den Schreibtisch bringen und zum Durchhalten animieren.

Mein Schulterklopf-Sammelsurium

Ich sammle mir nun schon einige Zeit Momente, an denen mich das Schreiben und meine fertigen Sachen (weil von unfertigen habe ich auch viel zu viel) überdimensional glücklich gemacht haben. Von Außen… denn, klar bist du mit dir hin und wieder auch zufrieden, es ist aber nur ein Klecks, wenn es sich mit den Zweifeln und dem Mistrauen dem eigenen Talent gegenüber mischt. Also suchen wir nach der konstruktiven Kritik und hier explizit nach Lob, Erfolg, Applaus von anderen. Da habe ich so einige (hat die Suche zu meiner Überraschung ergeben), aber das muss es auch gar nicht sein. Ich bin nämlich davon überzeugt, dass wenn du schreibst und es gerne tust oder getan hast und es mindestens einer anderen Person gezeigt hast, kennst du dieses Gefühl ganz bestimmt. 

Ob es irgendwann damals in dem Deutschunterricht war, bei der einen Diskussion im Rahmen eines Schreibwettbewerbs oder einer Schreibgruppe in deinem Stadtbezirk, beim Besprechungen mit KundInnen, KollegInnen oder als zu deiner Geschichte deine Liebsten ein paar warme Worte gesagt haben, das ist es!

Nehme diese Ereignisse unter die Lupe, schreibe dir ein paar Wörter dazu auf, damit du immer wieder in diesen Moment zurückkehren kannst, füge deine besten Texte dazu- genau die, bei den du denkst, das ist so gut, das kann nicht sein, dass ich es geschrieben habe. Rufe dir diese Zeit immer wieder ins Gedächtnis oder schreibe dir deine Erinnerungen ganz genau auf, auf deine Art und Weise intensiv, mit den verrücktesten Details und so, dass sie dich zum Schmunzeln bringen.

Mit dem Glauben, dass alles bereits in dir ist und wenn du dieses Gefühl und diesen Moment schon einmal erreicht hast, kannst du es immer wieder tun, können wir direkt in die Zukunftsphantasie übergehen. Hier stellen wir uns das wahnsinnige Gefühl der Vollkommenheit und das vollkommene Gefühl des Wahnsinns vor, die wir verspüren, wenn wir unserer Leidenschaft die Zeit und Energie widmen und unsere Idee zum erfolgreichen Ende bringen (und hier muss der Erfolg, wie du bestimmt schon ahnst, nur unseren Maßstäben entsprechen, keinen anderen.

Um meine Hippie-Gedanken abzurunden, fehlt nur noch der Austausch mit den Gleichgesinnten, den ich erwähnen möchte, und der mein Grund für das Mitteilen hier und auf Instagram ist.  Und somit schließt sich auch der Erzählbogen (daran bestehe ich als Dramaturgin :D). 

Leute, die deine Freuden und Probleme kennen, die mit den gleichen Unsicherheiten kämpfen oder die Schulterklopfer für deinen Mutaufbau verteilen, die sich gegenseitig Tipps geben, sich inspirieren, zwischen den Zeile lesen, die bringen dich weiter, oder an andere Gedanken, Lösungswege oder Umwege, die Sinn ergeben, erst wenn man das Ziel erreicht hat.

Also kommen in deine Mutmach-Schatzkiste folgende Sachen:

Erfolgssammlung
Was sagt dein ehrlicher Blick auf die bereits getane Arbeit? An deine Anfänge oder an die Projekte, in die du viel Zeit investiert hast… Bist du nicht doch ganz schön zufrieden? Überrascht dich dein eigener Text nicht mal auch positiv, wenn du ihn für eine Weile weggelegt hast?

Blick in die Zukunft
Du bist doch hier der Autor oder die Autorin, wer, wenn nicht du, kann sich die Zukunft am besten ausmalen? Wer und wie bist du an dem Punkt, wo du hinmöchtest? Wie fühlt es sich an? Wie stolz bist du auf dich selbst? Was kannst du dann von dieser Stelle weiter unternehmen?

Die richtigen Leute
Wie viele deiner Bekannten haben dir mal gesagt, dass sie Schreiben auch toll finden und mit wie vielen hast du dich dann auch weiter darüber unterhalten? Mit wenigen. Wie schade! Probiere es das nächste Mal. Es ist viel besser zu jemanden in dieser Hinsicht persönlicheren Kontakt zu haben als in einer 1000-Mitglieder-FB-Gruppe untertauchen.

...und dann die Magie

Wie fühlst du dich, wenn du an den Prozess des Schreibens denkst? Was macht der Gedanke mit dir, dass du dich durchgebissen hast und deiner Geschichte den letzten Punkt gesetzt hast? Wo möchtest du mit deiner Story hin, was möchtest du erreichen und wie wäre es, wenn es doch klappen würde? 

Plane, kombiniere, träume… aber vergiss nicht, dass es das alles nichts wird, wenn du nicht ins Tun kommst. Und das ist das Gefühl, das alles hier gerade Aufgezählte verpuffen lässt. Sei aber nicht zu streng mit dir. Manchmal ist es schwer, zu glauben, dass es keine verlorene Zeit ist, manchmal ist es schwer, die Zeit überhaupt zu finden, manchmal macht die Geschichte im Kopf total den Sinn, die Sätze knüpfen aneinander, die Literaturgeschichte wird geschrieben und wenn du dich an den Schreibtisch setzt, ist nur dieser blinkende Cursor da… es ist nicht nur bei dir so. Und es ist auch mal gut so. 

ABER: Die Muse kommt doch, wenn wir ihr eine Chance geben. Der Flow auch, wenn wir ganz wenig durchhalten. Versprochen. Und dann kommt die Magie…

♥ Photo by Christin Hume on Unsplash

Schreibe einen Kommentar