Schreiben als Hobby – Wo finde ich die Zeit?

Idylische Stadtatmosphäre, Autorenstadt, Auf Ideensuche

Am Ende des letzten Jahres habe ich mich, wie es schon so meistens ist, gefragt, was ich bald umsetzen möchte und was ich dazu brauche. Ausreden und Schuld anderswo als bei sich selber zu suchen, geht fix, dass aber nach jedem meiner Vorhaben der Nebensatz „wenn ich Zeit dazu finde“ kam, war mir plötzlich sehr peinlich.

Entweder möchte ich zu gleicher Zeit immer zu viele Sachen oder verplempere ich meine Zeit mit unnötigem Zeug. Ob das eine oder das andere, es wurde mir klar, dass es nur in meinen Händen liegt, was ich mit meiner Freizeit tue (zu dem Moment war ich der Meinung ich habe keine Freizeit) und ich eigentlich dankbar sein kann, dass nur diese „Kleinigkeit“ dem ausgewogenen Alltag im Weg steht…

Keine Angst, ich versuche jetzt nicht in Life-Coach-Schiene reinzurutschen und mich auf die Zeit fürs Schreiben konzentrieren. 

…außerdem wissen wir ja alle was dann in dem „neuen“ Jahr schief ging.

Das Happyend auf dem Schirm haben

Was sonst hier auf diesem Blog… Ich meine jetzt nicht unbedingt das Ende deiner Geschichte (auch wenn das auch schon ein Ansporn sein kann), aber dein Grund, warum du dich für Schreiben überhaupt entschieden hast und die Vorstellung vom Gefühl, das du am Ende haben wirst (oder währenddessen, wenn du kein bestimmtes Ziel verfolgen möchtest). Ob du einfach deine Gedanken auffangen, ein Lebenskapitel festhalten oder jemandem mit einer Story aus deiner Feder Freude bereiten möchtest, schon das sind die Punkte, die dieser Tätigkeit in deinem Alltag Fokus setzen. Wenn du an deinem Stil arbeiten, sich in Regelmäßigkeit üben und Fortschritte sehen möchtest oder in der Zukunft eine Teilnahme an einem Schreibwettbewerb oder eine Veröffentlichung im Sinn hast, und nicht nur darüber reden willst, sondern diese gerne in die Taten umwandeln würdest, lässt dich auf den kreativen Durststrecken dranzubleiben.

Mit oder ohne Plan, Hauptsache du setzt dich dran.

Ob täglich ein bisschen oder in einem Block am Stück, du wirst für dich deine eigene Taktik finden müssen. Beides hat

Vor- und Nachteile und paradoxerweise kommt man nach einer längeren Phase der Regelmäßigkeit auch in kürzeren Schreibintervallen schneller in den Flow. Deswegen funktionieren Morgenseiten gut auch wenn sie erstmal nicht sehr sinnvoll erscheinen (darüber aber vielleicht ein anderes Mal). 

Ach, dieser magische Flow… Wenn du den Luxus hast und diesen Zustand erfolgreich erreichen kannst, nur zu. Das Ergebnis wird sich bestimmt sehen (also lesen) lassen. 

Kleiner Tipp am Rande: Vergiss nicht alles zu notieren, wenn deine Gedanken abschweifen, die sollten dank der strömenden Kreativität auch sehr wertvoll sein.. 

Ansonsten fährst du am besten, wenn du intuitiv und aus dem Bauch raus schreibst, wenn du dir bei Stolpergedanken wie „Welche Haarfarbe hatte die Figur aus dem ersten Kapitel, ich sollte nachschlagen…“ oder „Was haben die Leute im 17.Jahrhundert so gegessen?!“ einfach so notierst ohne sich auf die Suche nach diesen Fragezeichen zu machen. Das kannst du nachher recherchieren, ohne das deine aktuelle Energie schwindet.

Zu anderen bewährten Tipps gehört sich einfach für einen machbaren Moment (20/30 Minuten) hinzusetzen und loszulegen und danach schauen, ob du weitermachen kannst und möchtest oder es erstmal lässt. Genauso effektiv ist die Pomodoro- Technik, bei der du 25 Minuten ungestört schreibst, dir dann 5 Minuten Pause gönnst (und diese auch einhältst) und dann weitere 25 Minuten durcharbeitest. Nach 4 solchen tomatigen Eieruhr-Blöcken gibt es eine längere Pause. 

Die (un)coole Schreibroutine

Wenn ich mir Social media mancher Berufsautor*innen oder Einblicke in den Schreiballtag erfahrener Schreiberlinge ansehe, kommen mir ihre Tage (und Nächte) schon ziemlich cool vor. Außerdem scheinen sie alle die Non-plus-ultra-Strategien ge- oder erfunden zu haben, die sie im Small-Talks in den Autorenkreisen zücken (und alle somit entzücken) können. 

Wisst ihr was, die erfahrenen Autoren dürfen gerne ihre coolen Schreibroutinen haben, uns beeindrucken und in die Bücher kommen. 

Die unerfahrenen dürfen aber gerne schwammiger daher kommen und je nach Situation reagieren. Mal kommt da eine Pandemie um die Ecke, mal die Kinder und ihre Zähne, Liebeskummer oder kaputte Laptops, neue Staffel der Lieblingsserie oder jemand der sagt „Hoffentlich fängst du nicht auch noch mit so peinlichen Mama-Abenteuern an wie x andere Autorinnen schon…“ Ehm. 

Wir lassen uns nicht entmutigen und bleiben dran. Regelmäßigkeit schadet nicht, aber sich mit müden Augen zwingen, Plottwists und komplexe Charaktere a la Walter White gegen Mitternacht zu schreiben, muss nicht sein.

Genauso wie, wenn ich dir erzähle, dass es um 5 Uhr am besten läuft und du dir den Morgenkaffee und Croissant erst mit 400 Worten verdienen musst… Musst du nicht.

Apropo diese Worte. Ich habe keine Ahnung, wie viel genug ist. Ich weiß, viele Autoren tracken diese und gehen nicht zu Uni oder schlafen, bis sie nicht die und die Zahl erreicht haben, aber mir kommt das alles irgendwie schwer einzuschätzen.

Lieber hätte ich 10 geniale Zeilen fertig (und würde diese auch als ein Kapitel durchgehen) als drei Seiten von Bla, das nicht “sitzt”.

Tracken kann aber helfen. Motiviert ungemein. Nur diese Maßstäbe sind mir suspekt. Wiederum kann man sagen, wenn du jeden Tag eine Seite schreibst, hast du nach einem Jahr ein ordentliches Buch in deinem “Schreibliebe”-Ordner drin. Möchtest du das? YAY! 3-2-1-Start!

Wie mache ich das denn nun mit meiner Schreibzeit?

Ich musste mir zugestehen, dass ich DIE Zeit zum Schreiben nicht finde. 

Ich musste feststellen, dass ich zwar viel auf dem Handy hänge und oft da ein paar Absätze anfange, mit diesen letztendlich doch nicht so zufrieden bin.

Ich musste  zugeben, dass ich meine Ideen oft irgendwo runterschreibe, die losen Enden auf verschiedenen Zetteln aber selten zusammenfinden. 

In der Suche nach dem Flow oder nach den 20 Minuten, die ich am Stück habe, habe ich festgestellt, dass das nix wird…

…wenn ich mich nicht organisiert und motiviert darum kümmere.

Also habe Notizbücher, -blöcke und Post-its (+Stift jeweils nicht vergessen!) in der Wohnung und meinen Taschen verteilt, damit ich sie immer parat habe, außerdem nutze ich die Aufnahmefunktion auf meinem Handy, wenn ich unterwegs bin.

Und so klappt’s: 

→ Du hast ein witziges Dialog im Kopf, eine tolle Beschreibung vor den Augen, das Drama in den Ohren? Notier es dir. 

Wenn ich an einem Projekt arbeite, denke ich selbst unterbewusst dran und die Bilder kommen. Die Alltagsereignisse und Zusammentreffen mit Leuten zaubern das Thema oder den Konflikt auf verschiedenen Ecken präsent.

→ Am besten täglich sammelst du alles zusammen, tippst du es ganz unkritisch runter und machst daraus einen spannenden Absatz oder zwei. Glaub mir, das wird sich wunderbar und irgendwie rund anfühlen und wird oft in weitere ungeplante Minuten ausarten.

•Wenn du Ideen hast, aber keine Zeit diese auszuformulieren, schreib dir Stichpunkte und Zusammenhänge auf, mit denen du dann, wenn es soweit ist, loslegen kannst.

•Wenn du einen Abschnitt fertig hast und unterbrechen musst, schreib mindestens den ersten Satz aus dem nächsten Teil auf, damit du beim nächsten Mal, den Faden leichter findest. 

•Wenn du dein Schreiben ab und zu mit verschiedenen Übungen fit hältst, nutze diese um an dem einen Projekt zu arbeiten. Die Sätze müssen und werden wahrscheinlich auch nicht in dem zukünftigen Werk vorkommen, jede Gedanke, die du dir zur Handlung oder zu den Charakteren machst, bringt dich weiter. 

→ Am nächsten Tag wiederholst du diese Technik wieder, in dem du gedanklich da ansetzt, wo du am Vortag aufgehört hast oder sich um einen anderen Teil deiner Story kümmerst. Ohne Stress puzzelst du deine Geschichte zusammen, ob du mit den Ecken und Rändern anfängst oder erstmal alle klare, kontrastreiche oder bunte Teile fertig machst. Puzzeln halt. Es kann mal nervig sein, nach einem großen Berg Arbeit aussehen, sollte aber vor allem Spaß machen! 

♥️ Photo by Deva Darshan on Unsplash

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